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Geschichte
Der deutsche Gehörlosensport ist der älteste organisierte Behindertensport

Der deutsche Gehörlosensport blickt auf eine mehr als hundertjährige Geschichte und Tradition zurück.

Der Anfang ist gemacht: Taubstummen-Turnverein Berlin

Im Jahre 1888 gründet der Berliner Albert Gutzmann den ersten Gehörlosen Turnverein "Taubstummen-Turnverein Friedrich", kurze Zeit darauf folgen der "Taubstummen Turnverein Gera" und andere Vereine aus allen Teilen Deutschlands. Am 21. August 1910 schließen sich 30 Gemeinschaften in Köln zum Verband Deutscher Taubstummen Turn- und Sportvereine zusammen. Diesem Verband treten jedoch nicht alle Vereine bei, es bestehen noch andere Verbände der gehörlosen oder hörbehinderten Turner, Schwimmer, Fußballspieler, Leichtathleten und Wanderer. Erst 1922 wird in Hamburg der Reichsausschuss Deutscher Taubstummen Verbände für Leibesübungen gegründet, der alle Vorsitzenden der damaligen Gehörlosen-Sportverbände zusammenführt. Unter ihnen ist auch Heinrich Siepmann, der von diesem Zeitpunkt an die Entwicklung des deutschen Gehörlosensports entscheidend mitprägt.

1920 entsteht in Erfurt die Tradition des "Deutschen Taubstummen Turn- und Sportfestes", ein Höhepunkt des Gehörlosensports in Deutschland, der noch heute regelmäßig die gehörlosen und hörbehinderten Sportler zusammenbringt.

Weitere Vereine folgen: Der Berliner Taubstummen-Schwimmvereins. Im Bild die drei Gründer in stolzer Pose.

1924 gründet sich der Weltsportverband der Gehörlosen und Menschen mit Hörbehinderung, das "Comité International des Sports des Sourds" - CISS, dem der "Verband Deutscher Taubstummen Turn- und Sportvereine" 1926 beitritt. Heute nennt sich der Weltverband "International Committee of Sports for the Deaf - ICSD".

Zwei Jahre später 1928 nimmt der "Verband Deutscher Taubstummen Turn- und Sportvereine" das erste Mal an internationalen Wettkämpfen, den "Weltspielen der Gehörlosen", in Amsterdam teil, zusammen mit weiteren 9 Nationen und insgesamt 210 gehörlosen und hörbehinderten Sportlern. Die aus den "Weltspielen der Gehörlosen" entstehenden und im Jahr 2001 vom "Internationalen Olympischen Komitee" (IOC) anerkannten "Summer Deaflympics", erstmals 1924 ausgetragen in Paris, sind nach den Olympischen Spielen das zweitälteste multikulturelle Sportereignis der Welt.

Die Aktivitäten des Deutschen Gehörlosen Sports werden durch den 2. Weltkrieg kaum eingeschränkt, da Gehörlose und Menschen mit Hörbehinderung nicht zum Kriegsdienst herangezogen werden. Erst 1945, durch den totalen Zusammenbruch Deutschlands, kommt es zu einem zweijährigen Stillstand.

Olympia unter den Gehörlosen: 14. Weltspiele der Gehörlosen 1981 in Köln

1947 gründen sich die gehörlosen und hörbehinderten Sportler unter dem Namen "Deutscher Gehörlosen Sportverband" - DGS neu. Sie nehmen zwei Jahre später gemeinsam mit 2 weiteren Ländern und insgesamt 33 gehörlosen und hörbehinderten Sportlern an den 1. "Winter Weltspielen der Gehörlosen" - den späteren "Winter Deaflympics" - in Seefeld in Österreich teil.

1978 lädt der DGS zum "1. Internationalen Leichtathletik Sportfest der Gehörlosen" in Köln ein und gründet damit eine weitere Tradition. Unter Berücksichtigung des internationalen Sportkalenders wird dieses Sportereignis für gehörlose und hörbehinderte Athleten seitdem vom DGS in Deutschland ausgerichtet.

Bis zur Gründung der europäischen Sportorganisation der Gehörlosen und Menschen mit Hörbehinderung, der "European Deaf Sport Organisation" - EDSO, im Jahr 1983 in Antibes, finden internationale Veranstaltungen der unterschiedlichen Sportarten mit anderen gehörlosen und hörbehinderten Sportlern nur vereinzelt statt. Seit ihrer Gründung bietet die EDSO - als der europäische Dachverband der europäischen Nationalsportverbände - die beständige Plattform für regelmäßige Europameisterschaften in 17 Sportarten, während das ICSD als Weltverband des Gehörlosensports die weltweiten sportlichen Begegnungen der verschiedenen Länder, wie Weltmeisterschaften, World-Cups und die Deaflympics organisiert.


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