Premiere für Olbert: Deutschland ringt in Haßloch um Form
Autogramme von den Deafboys. Foto: privat

Autogramme von den Deafboys. Foto: privat

Trotz Niederlage der deutschen Handball-Nationalmannschaft der Gehörlosen gegen Frankreich: Für die Fans war das Testspiel in Haßloch ein voller Erfolg.

Es war ein Moment, der zumindest den gehörlosen Handballern der französischen Nationalmannschaft in Erinnerung bleiben wird: Erstmals bezwang die Équipe Tricolore den amtierenden Vizewelt- und Europameister sowie Silbermedaillengewinner der Deaflympics im vergangenen Jahr in Tokio, die deutsche Handball-Nationalmannschaft der Gehörlosen, zum Abschluss eines gemeinsamen Trainingslagers vor über 200 Besuchern im TSG-Sportzentrum. Dabei wurde der langjährige Bundestrainer Alexander Zimpelmann (Freinsheim) offiziell verabschiedet (ausführlicher Beitrag folgt).

Mit 27:30 (16:17) unterlag die deutsche Mannschaft bei der Premiere ihres neuen Bundestrainers Dennis Olbert (Preetz). Der Jubel der französischen Mannschaft um ihre Toptorjäger Luc Foret und Abdallah Danial sowie Flügelflitzer Allan Poultier war groß. Dagegen blieb die Auswahl des Deutschen Gehörlosen-Sportverbands (DGSV) unter ihren Möglichkeiten. „In vielen Bereichen fehlt noch die Abstimmung, erschreckend war die hohe Zahl der Fehlwürfe und technischen Fehler. Daran müssen wir noch intensiv arbeiten“, bekannte Bundestrainer Olbert.

Erhoffte Führung bleibt aus

Die Mannschaft fand ohne ihre beiden Leistungsträger Till Mallach und Simon Schöller, die aufgrund von Verpflichtungen in ihren Vereinen vorzeitig abgereist waren, nur schwer ins Spiel. So lag Deutschland gegen die Franzosen, bei dem von der Jugendabteilung der TSG Haßloch um dessen Abteilungsleiter Peter Henkes vorbildlich ausgerichteten Länderspiel, von Beginn an in Rückstand. Lediglich Joshua Hild auf dem rechten Flügel sowie der erst 18 Jahre alte Vincent Uben (TuS 04 Kaiserslautern-Dansenberg) strahlten gegen die Franzosen Torgefahr aus. Und so war es Uben, der nach einem langen Rückstand erstmals mit seinem Treffer zum 12:12 den Ausgleich erzwang. Die erhoffte Führung blieb jedoch aus. Felix Werling (TV 03 Wörth) scheiterte mit einem Siebenmeter an dem überragenden Gästekeeper Corentin Sellier – der EM-Dritte von 2024 zog zum Pausenpfiff mit 16:17 davon.

In Abschnitt zwei wurde es aus deutscher Sicht nicht besser. Der französische Rückraum zeigte in der Abwehr mehr Aggressivität, aber auch mehr Mut im Angriffsspiel und zog bis zur 44. Minute mit 22:26 davon. Das deutsche Team bemühte sich noch um den Ausgleich, nachdem Robert Wiedl zum 25:27 (55.) und Dominik Götz zum 26:28 (58.) verkürzen konnten. Es reichte aber nicht. Drei Fehlwürfe in Folge von Lukas Kaut machten den ersten französischen Erfolg gegen Deutschland möglich.

Unvergessliches Erlebnis

„Das war einfach zu viel“, klagte Bundestrainer Olbert, nachdem sein Team noch am Vortag unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Pfalzhalle die Gäste aus dem Nachbarland mit 24:17 bezwungen hatte. Spätestens in elf Monaten bei der WM im September 2027 in Zlatibor (Serbien) könnten beide Teams wieder aufeinandertreffen. Bis dahin will das deutsche Team um seinen Kapitän Dominik Götz zu alter Stärke zurückfinden. Dann sollen auch wieder alle Leistungsträger mit an Bord sein.

Zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde das Länderspiel in Haßloch für 15 Kinder der männlichen D-Jugend der Sportfreunde Neustadt (Wied), die auf Einladung von Teammanager Roland Knöchel mit den beiden Mannschaften einlaufen durften. Es war eine besondere Geste der deutschen Mannschaft an den zwölfjährigen gehörlosen Handballer Matti, der bei einem Spiel seiner Mannschaft vom Schiedsrichter aufgefordert worden war, das Cochlea-Implantat abzunehmen, um mitwirken zu dürfen. Daraufhin wandte sich seine Mutter an den DGSV und wurde auf die deutsche Mannschaft der Hörgeschädigten aufmerksam.

Mit der Einladung zum Länderspiel erhielten alle Jugendlichen von Knöchel neben einem Wimpel eine Mütze mit den Insignien des Länderspiels. „Wir kommen gerne wieder“, waren sich die Jungs einig, nachdem sie sich um Autogramme bemüht hatten. Vorbildlich auch das Engagement von Peter Henkes, der eigens für das Länderspiel den Jugendspieltag angepasst und auch das eine oder andere Spiel auf Sonntag verlegt hatte.

Text: Jochen Willner